Herzlich Willkommen bei der Initiative Biodiversität

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Wir sind eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern, die verhindern wollen, dass ein Naturidyll am Lech (Tirol) durch flussbauliche Maßnahmen verschwinden soll.

Betroffen ist ein in den 80er Jahren entstandener See bei Forchach im Lechtal. Dort ist damals ein ursprünglich natürlicher und deutlich kleinerer See ausgebaggert worden. Er wurde über die Jahrzehnte zu einem wunderbaren tiefblauen Biotop, die Natur hat den See damit längst einverleibt.

Heute leben am und im See zumindest 42 geschützte Tierarten und zahlreiche geschützte Pflanzen.

Nun sollen in diesem Naturschutzgebiet die Bagger anrollen, um die Buhnen, die den See schützen, abzutragen. Dies soll im Rahmen eines EU-Life-Renaturierungsprojektes umgesetzt werden, welches kurioserweise den Namen „LIFE Nature Biodiversity Project“ trägt. Würde die Maßnahme umgesetzt, so würde nicht nur der See verschwinden, sondern auch geschütztes Leben am und im See und damit Biodiversität vernichtet.

Die Analyse der Entscheidungsgrundlagen zeigt, dass das naturschutzrechtliche Gutachten keineswegs die Umsetzung der Maßnahme rechtfertigt.

Toni Innauer (WWF Flussbotschafter) meint zum Sachverhalt:
„Der Verlust spezifischer Flora und Fauna rund um den See wurde in der Entscheidung scheinbar nicht adäquat berücksichtigt und gegen den Nutzen der zusätzlichen Flusslandschaft abgewogen. Es wäre sinnvoll das nachzuholen bevor die Bagger rollen.“

 

UNSER ANLIEGEN UND ERZIELTE ERGEBNISSE

Wir bitten die Verantwortlichen: Schauen Sie noch einmal ganz genau hin und überdenken Sie Ihre Entscheidung. Vielleicht können wir dadurch etwas Unwiederbringliches für uns und unsere Kinder bewahren und müssen uns nicht vorwerfen, wir hätten durch oberflächliches Handeln etwas Schönes vernichtet.

Dieses Ansinnen hat in kurzer Zeit prominente Unterstützer gefunden:

  • Pfarrer Karlheinz Baumgartner (Staatspreisträger für Natur- und Umweltschutz)
  • Fritz Gurgiser (Staatspreisträger für Natur- und Umweltschutz)
  • Margit &Toni Knittel (Bluatschink. Träger des österreichischen Naturschutzpreises)
  • Sigrid Wolf (Olympiasiegerin Super-G)
  • Niki Hosp (3-fache Skiweltmeisterin)
  • Harti Weirather (Abfahrtsweltmeister)
  • Martin Fiala (ehemaliger dt. Skirennläufer)
  • Fritz Karl (beliebtester Schauspieler Österreichs 2011)

Die Petition endete am 18.08.2019. Der Erfolg unserer Petition war phänomenal. Insgesamt haben wir 2.161 Unterstützungserklärungen in nur 25 Tagen erhalten. Ursprünglich erhofften wir uns 1.000. Rausgekommen ist also weit mehr als erhofft und die mit Abstand erfolgreichste Umwelt-/Naturschutzpetition Österreichs seit Anfang Juli!

Wolfgang Schweißgut und Toni Knittel (Bluatschink)
Wolfgang Schweißgut und Toni Knittel (Bluatschink)

Dies stärkt unseren Rücken und sollte eigentlich die Adressaten der Petition beeindrucken. Vielen Dank an alle, die mitgeholfen haben so weit zu kommen.

 

Verhandlungsergebnis Oktober 2019:

Zwischen 19.8.2019 und 24.9.2019 fanden drei Gespräche mit den Projektbetreibern statt.
Die Ergebnisse stehen unten zum Download zur Verfügung.

Unsere Meinung zum Ergebnis in kurzen Worten:

  • Basisdemokratisch erschütternd ist, dass die Meinung der Einheimischen nicht zählt und man über die Petition mit 2.161 Unterschriften einfach drüberfährt. Wenn die LIFE Lech Verantwortlichen so wenig Gefühl für die Bevölkerung zeigen, darf es sie nicht wundern, wenn ihr Image abstürzt.
  • Wir sind froh darüber, dass durch unsere Initiative – trotz des engen Verhandlungsspielraumes – die ursprünglich von LIFE Lech II angestrebte Wirkung abgemildert und dass durch die Wiederherstellung eines kleinen Flachwasserbereiches eine Verbesserung erzielt werden wird.
  • Unterm Strich bleibt der See nun wohl längere Zeit erhalten. Sein Bestand ist langfristig aber nicht gesichert und speziell von der Dimension künftiger Hochwasserereignisse abhängig.

Die Grafik gibt einen Überblick über das Verhandlungsergebnis:

Für das Team der Initiative Biodiversität

Wolfgang Schweißgut

Wir haben in kurzer Zeit wichtige Unterstützer gefunden

„Schauen Sie doch einmal genau hin und erkennen Sie, dass mit dem Verschwinden des Baggersees ein ungeahntes Wunder  verschwände! Zwischen den Buhnen, die zwischen 1948 und 1950 rechtwinkelig zum Lech gebaut wurden, liegt heute der tief-blaue Baggersee.

Still und heimlich hat der von Baggern geborene kleine See sich zu einem liquiden Kleinod entwickelt – zur Heimstätte von pflanzlichem und tierischem Leben, das da eigezogen ist – und in noch üppigerer Weise einziehen kann – hoffentlich nicht könnte – weil die Gegebenheiten passen. Der wissenschaftliche Fachmann – Landmann z.B. – stellt fest: ein Genpool ist entstanden – und ist im Begriff noch reicher zu entstehen! Die Vielfalt des für den Bereich des Lechs vorgesehenen Lebens findet ein Refugium  – eine Heimstätte – von der aus der heimischen Flußlandschaft wieder etwas vom ehemaligen Reichtum zurückgegeben werden kann.

Der Mensch liebt die Vielfalt des Lebens – denn unser Vater liebt sie auch – er hat sie ja so vorgesehen.

Wir wollen den vielversprechenden Wundersee erhalten!“

Der Lech ist ein überregional beachtetes Leuchtturmprojekt in Sachen „Renaturierung“. Was sich da in den letzten Jahren beim Thema „Flussbau“ getan hat, ist wirklich vorbildhaft.

Ich bin mir daher sicher, dass die Verantwortlichen dasselbe Fingerspitzengefühl an den Tag legen können, das sie in den letzten 15 Jahren bereits bewiesen haben, wenn es jetzt darum geht, das perfekte Nebeneinander von Naturlandschaft und Kulturlandschaft im Auge zu behalten.

Dass der Baggersee in Forchach menschengemacht ist, ist genauso eine Tatsache wie der Umstand, dass die herrlichen Blumenwiesen im Tal durch das Zutun des Menschen entstanden sind. Dieses jahrhundertealte gleichzeitige Wirken von Urnatur und behutsam gestaltender Menschenhand beschert uns eine Artenvielfalt und Biodiversität, die seinesgleichen sucht.

Der Lech darf auf der Höhe dieses landschaftlich überwältigenden Wunders bereits über einen sehr großen Anteil des Talbodens verfügen – das gönnt ihm jeder naturverbundene Mensch von Herzen. Aber das beschert uns den Luxus, dass wir ihm auch weiterhin diese kleine Ecke vorenthalten können, ohne dass der Grundgedanke des Fluss-Rückbaus verwässert wird.

„In einer Zeit, in der Naturraum zum Erholen, Regenieren, Abschalten immer wichtiger wird, ist der Erhalt jedes einzelnen Naturjuwels Verpflichtung für Politik, Behörden und (Tourismus)wirtschaft; auch dann, wenn es ‚nur‘ ein Baggersee ist. Naturjuwele sind die Goldschätze unserer, noch mehr aber der nächsten Generationen.“

Die Veranstaltung zum Nachsehen

Unsere Informationsveranstaltung, vom 25.Juli 2019 kann nun Online angesehen werden.

Wenn Ihr Bekannte und Freunde habt, die sich detailliert informieren wollen, oder die Ihr als Unterstützer für unsere Sache gewinnen wollt, dann teilt bitte den Link. Teilt ihn bitte auch in Euren Netzwerken.

Zusammenfassung nach Analyse des Naturschutzgutachtens:

Die intensive Beschäftigung mit der Thematik führt zu folgendem vorläufigem Fazit:

  • Die Entscheidung pro/contra See wurde sehr einseitig aus der Flussperspektive gefällt.
  • Die Biodiversität am/im See und die Interaktion See & Fluss wurde nicht analysiert.
  • Eine Bewertung des Verlustes an Biodiversität durch das Verschwindenlassen des Sees erfolgte nicht.
  • Vom geplanten Eingriff sind zahlreiche geschützte Tiere/Pflanzen unmittelbar betroffen. Die Auswirkungen werden aber nur punktuell beschrieben. Eine Abwägung erfolgte nicht oder nur sporadisch.
  • Das naturschutzrechtliche Einreichoperat wurde unter Zeitdruck und (neben Datenbank und Literaturrecherche) in Bezug auf Tiere und deren Lebensräume auf Basis nur eines einzigen Lokalaugenscheins erstellt. Es beleuchtet die Biodiversität im/am See mangelhaft, enthält zahlreiche Ungereimtheiten und krasse Fehleinschätzungen.
  • Die Literatur-/und Quellenberücksichtigung ist oberflächlich und erfüllt wissenschaftliche Standards nicht. So wurden z.B. die Veröffentlichungen von Landmann aus 1993, 2003, 2007, 2012 und 2016 nicht bzw. nicht adäquat berücksichtigt
  • Der Gutachter stellt auf Seite 35 fest: „Der Baggersee ist weitgehend vegetationsfrei […] vom Ufer aus wurde keine Vegetation im Gewässer festgestellt“. Im Anhang desselben Gutachtens ist der See als „Gewässer mit Vegetation naturnaher Gewässer“ eingezeichnet. Der Gutachter wiederspricht sich also direkt im eigenen Gutachten.
  • Von den 38 Zielarten des Natura 2000-Gebietes Tiroler Lech (gem. Verordnung der Tiroler Landesregierung vom 21.10.2014; § 1 Abs. 7) wurden im naturschutzrechtlichen Einreichoperat vier Arten als nachgewiesen eingestuft. Die Initiative Biodiversität konnte acht weitere Arten nachweisen. Das bedeutet, über 30% (!) der Zielarten des Natura 2000-Gebietes Tiroler Lech leben im Projektgebiet. Drei von vier Zielarten die (teilweise) vom See abhängig sind, wurden durch die Initiative Biodiversität nachgewiesen.
  • Zum Kriterium „Landschaftsbild und Erholungswert“ (Vielfalt, Eigenart, Schönheit), findet sich im Gutachten nur eine Beschreibung, jedoch keine Bewertung.
  • Die Bewertungskriterien, die für den „Erholungswert“ herangezogen wurden, können nur mit Themaverfehlung beschrieben werden (z.B. das Vorhandensein von Rad‐/Reitwege, Rodelstrecken, Schitourenrouten ).
  • Über Verletzungen der eigenen Projektziele wurde geflissentlich hinweggegangen.
  • Welchen Sinn es macht, kurz vor der Geschiebedosieranlage Höfen große Mengen von potentiellem Geschiebe freizusetzen und dieses Geschiebe nur 5 Kilometer flussabwärts wieder zu entnehmen, bleibt unerklärlich.

Das Gutachten war Grundlage für die Entscheidung den See verschwinden zu lassen. Da das Gutachten nicht stimmt, stimmt auch die Entscheidung nicht. Wird trotzdem am Entschluss festgehalten, muss man fragen, welchen Zweck so ein Gutachten hat und wozu dafür Steuergeld ausgegeben wird.